Paulas Blog erzählt von den Erlebnissen der Zeitungsente Paula Print. Wie sie als Lernende die Welt der Medien erlebt. Ohne Blatt vor dem Mund, wie es sich für ein humorvolles Agenturmaskottchen gehört.

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Die Retter* in den Lüften

Heute geht's wieder einmal ums Schreiben und wie man dazu selber "drauf sein" muss.

Die Chefin schreibt gern. Das habe ich mittlerweile kapiert. Aber was da dazu gehört, das habe ich erst vor wenigen Tagen richtig verstanden. Da ist sie, die Frau Doktor, die durchaus Autorität herauskehren kann, ganz aufgekratzt daher gekommen und hat gesagt: „Also das habe ich mir nicht entgehen lassen. Obwohl es eigentlich nicht notwendig war.“ Und hat dann erzählt, dass sie für eine Story über den Notarzthubschrauber des ÖAMTC Christophorus 9 extra hingefahren ist, um sich die näheren Umstände beim Leben-Retten ganz genau erzählen zu lassen und wirklich schöne Fotos zu bekommen. Das Foto oben zeigt Christophorus 9 in der Luft - Foto: ÖAMTC.

Ich weiß, dass Flugrettung eine Super-Sache ist. Ich kenne ja die Fernsehserie Medicopter 117 mit der Sabine Petzl. Aber von der Extra-Begeisterung der Chefin war ich doch überrascht. Sie hat erzählt: „Was da abgeht, ist Teamwork pur. Kaum habe ich mit dem Stützpunkleiter Captain Robert Holzinger geredet, hat sein Handy geläutet und er ist aufgesprungen und hat gesagt ‚Richtung Korneuburg‘. Und ich bin mit dem einen Sanitäter allein dagesessen. Binnen zwei Minuten war der Hubschrauber in der Luft.“

Fünfmal Daumen heben und "Kabine fertig"

Uns hat die Chefin dann noch nähere Details erzählt, die sie in Erfahrung gebracht hat: Kaum gibt es einen Einsatzalarm – auf den Pager des Piloten werden die GPS-Koordinaten zum Einsatzort, die genaue Adresse und der Name des Patienten übermittelt – springt das Dreierteam auf – Pilot, Notarzt, Sanitäter – und begibt sich zum Hubschrauber. Der Pilot und der Notarzt setzen sich in den Hubschrauber, der Sanitäter wartet zunächst noch draußen. Der Pilot startet das erste Triebwerk und hebt den Daumen – o.k. -, der Sanitäter checkt, ob alles am Hubschrauber in Ordnung läuft und „antwortet“ mit einem o.k.-Daumen. Dann geht der Sanitäter auf die andere Seite, der Pilot startet das zweite Triebwerk, hebt wieder den Daumen auf o.k., der Sanitäter checkt die andere Seite des Hubschraubers und antwortet mit Daumengeste. Dann hebt der Pilot noch einmal den Daumen zum o.k. Erst dann steigt der Sanitäter ein und schließt die Tür und der Notarzt sagt vom hinteren Teil des Hubschraubers über Funk „Kabine fertig“ und der Sanitäter schnallt sich an. Dann hebt der Hubschrauber ab.

Lebensretter am Werk

Jetzt geht’s erst richtig los: Während der Pilot am Navigator checkt, wo genau es hin geht, und dem Flugsicherungs-Tower in Schwechat meldet, dass er unterwegs ist, nimmt der Sanitäter mit den Einsatzmannschaften am Unfallort per Funk Kontakt auf und meldet: „C9 gestartet.“ Er erfragt, wer aller vor Ort ist – Rettungsfahrzeuge, Polizei, Feuerwehr oder so ähnlich – und bringt erste Informationen zum Patienten in Erfahrung. Gleichzeitig unterstützt der Sanitäter den Piloten, indem er beobachtet, ob Windräder in der Umgebung sind oder andere Flugkörper. Und beim „Einparken“ hilft der Sanitäter erst recht – damit der Hubschrauber in selbst kleinste Lücken hineinplatziert werden kann. Beim Landen folgt für den Plloten eine nervige Minute. So lange muss der Rotor nämlich laufen, bis sich die Turbinen abkühlen, Die Angst des Piloten: Dass irgendein Helfer oder Neugieriger in den Rotor hineinläuft. Auch da fungiert der Sanitäter als Aufpasser.
Ist der Hubschrauber einmal gelandet, übernimmt der Notarzt das Kommando. Er leitet die Hilfsaktionen und das Transportfähig-Machen beim Patienten, entscheidet, ob er in ein Krankenhaus geflogen werden muss usw. Der Pilot unterstützt ihn, indem er Versicherungsdaten aufnimmt, allenfalls einen zweiten Hubschrauber bei der Rettungs-Leitstelle anfordert.

Begeisterung - Respekt - Mitgefühl

„Ist das nicht toll, dass es solche Menschen gibt?“ hat die Chefin ausgerufen. Ich habe das auch gefunden. Und zusätzlich habe ich verstanden, dass es zum Schreiben Begeisterung braucht sowie Respekt und Mitgefühl für andere Menschen. So wie die Teams in den Lüften, die auf Abruf abfliegen, um Leben zu retten.

Das Bild zeigt v.l.n.r. Sanitäter Johann Engelmann, Dr. Kristin Engelhardt, Christophorus 9-Stützpunktleiter Captain Robert Holzinger.

*) Noch einmal toll ist, dass nicht nur Männer in der Luft unterwegs sind, um Leben zu retten. Darauf hat mich eine aufmerksame Beobachterin hingewiesen. Ich habe gelernt: Nie den Beitrag der Frauen übersehen!

Kommentare

  • 13-09-2016 | 15:40
    Kommentar von: Kristin Engelhardt

    Danke für die Wortmeldung! Sorry, dass mir das passiert ist! Und Hochachtung an jede Frau, die diesen Job macht! Und danke auch für den Hinweis, dass die Beschriftung schon überholt ist!

  • 13-09-2016 | 15:14
    Kommentar von: Gloria Petrovics

    Bitte nicht vergessen - es sind auch Frauen in den Lüften! Am Stützpunkt des C 9 gibt es einige Ärztinnen wie auch auf den anderen Stützpunkten. Das Foto vom fliegenden Heli muss vor April 2015 stammen, der hat heute eine andere Kennzeichnung. Aber lustigerweise ist es die selbe Maschine, der OE-XEA fliegt seit kurzem wieder als C 9.

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