Paulas Blog erzählt von den Erlebnissen der Zeitungsente Paula Print. Wie sie als Lernende die Welt der Medien erlebt. Ohne Blatt vor dem Mund, wie es sich für ein humorvolles Agenturmaskottchen gehört.

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Storytelling

Ein Märchen als Vorbild.

„Alle reden davon. Aber keiner tut es. Oder nur wenige.“ Das waren die ersten Worte der Chefin, mit der sie uns endlich wieder zu einer lehrreichen Sitzung zusammengetrommelt hat. Sie sprach von „Storytelling“. Und rief zum Schluss: „Ich will umgehend einen Blog zu diesem Thema sehen. Jetzt ist Schluss mit der Blog-Sendepause! Es reicht, dass ich zwei Bücher geschrieben habe. Ab sofort wird wieder gebloggt.“

Was ist "Storytelling"?

„Erinnert ihr euch, wie ich immer davon gesprochen habe, dass es beim Schreiben darum geht, Bilder im Kopf und Emotionen bei den Lesern und Leserinnen hervor zu rufen? Der Weg dazu nennt sich „Storytelling“.“
Was so viel heißt wie „Geschichten erzählen“. Aber eigentlich viel ausgeklügelter ist. Die Ober-Gurus, die das erfunden haben, waren in Hollywood zuhause. Denn Storytelling ist eine Methode, die sich vom Drehbuch-Schreiben ableitet. Um das Spannungs-Auf-und-Ab von Filmen auch für „normale“ geschriebene Texte zu nützen. Die Frage dahinter: Wie entsteht Spannung? Wie schaffe ich Emotionen?
Zuerst einmal geht es darum einen Konflikt oder eine Fragestellung zu haben, für die ich in meiner Story eine Lösung anbieten möchte. Zum Beispiel: Wie lernt ein Mädchen sich allmählich in der Welt zurecht zu finden? Zwischen Gut und Böse zu unterscheiden?
Der nächste wichtige Punkt: die Personen, die vorkommen. Da sollte es einen „Helden“ oder eine „Heldin“ geben und einen Widersacher. Dazu Unterstützer/Helfer und andere Mitspieler. Wobei unter einem Helden kein fader Gutmensch verstanden sein will, sondern ein Wesen mit Ecken und Kanten wie im wirklichen Leben. Und das gleiche gilt für den Widersacher. Da heißt es sich gut den Kopf zerbrechen, um herauszufinden, welche Eigenschaften und Handlungsmuster die handelnden Personen haben sollen.
Ja, und dann geht es an den Aufbau: Zuerst kommt die Exposition – also die Ausgangssituation, dann nimmt die Geschichte ihren Lauf – mit immer neuen Höhepunkten und Abenteuern, die den Fortgang der Geschichte immer spannender machen. Plot Points nennen sich die im Englischen. Am Schluss gibt’s dann das Happyend oder – wenn’s traurig ausgehen soll – eine andere Lösung.

Rotkäppchen und der böse Wolf

Dieses Märchen hat uns die Chefin als Beispiel genannt. Das Rotkäppchen ist die Heldin, der böse Wolf der Widersacher. „Es war einmal ein kleines, süßes Mädchen...“ So geht’s los mit dieser Story: Am Anfang wird Rotkäppchen vorgestellt. Ziemlich fad noch, das Ganze. Weil Rotkäppchen so extra-lieb ist und alles Wonne und Waschtrog. Spannend wird es, sobald die erste Konfrontation geschieht: Als Rotkäppchen im Wald auf den Wolf trifft. Die nächste Steigerung: Der Wolf frisst die Großmutter. Und so geht’s immer weiter. Bis zum Schluss, wenn der kluge Jäger dem Wolf den Bauch aufschneidet, so dass Rotkäppchen und Großmutter vergnügt-lebendig herausspringen können. Da sind dann alle glücklich. Und haben vor allem viel dazu gelernt. – Und die Leser und Leserinnen auch.
Die Lektion für uns heute: „Solche Geschichten müsst ihr schreiben, die so spannend sind wie Rotkäppchen und der böse Wolf!“
In meinem nächsten Blog soll es darum gehen, wie sich dieses Rezept für Unternehmen nützen lässt.
Fotocredit: Fotolia

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