Paulas Blog erzählt von den Erlebnissen der Zeitungsente Paula Print. Wie sie als Lernende die Welt der Medien erlebt. Ohne Blatt vor dem Mund, wie es sich für ein humorvolles Agenturmaskottchen gehört.

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Vom Geschichten-Erzählen

"Geschichten" oder besser gesagt "Storytelling" ist jetzt sehr in. Die Chefin hat neulich mit uns davon gesprochen.
35 Grad im Schatten hat es gehabt. Da hat die Chefin gesagt: Kommt, wir gehen in den Garten und trinken ein Soda-Zitron. Bei dieser Hitze kann man ja nicht ordentlich denken. Aber erzählen und zuhören kann man immer.

Drehbuch-Schreiben als Vorbild

Und dann hat sie vom Erzählen erzählt, vom Geschichten-Erzählen, das heute lieber Storytelling genannt wird. Weil Journalisten heute mehr denn je darum kämpfen müssen, dass das – was sie schreiben – überhaupt gelesen wird. Deshalb soll mehr Spannung rein, eine „Entwicklung“. Und ein Held muss her, der was erlebt.

Film-Drehbücher dienen da als Anregung. Beim Drehbuch-Schreiben musst du in Szenen und in Bildern denken und vor allem den dramatischen Aufbau vor Augen haben. Das tut beim Schreiben von Geschichten auch gut.

Rotkäppchen als Beispiel

Nehmt zum Beispiel das Märchen vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf, hat die Chefin gesagt. Das ist nach wie vor eine tolle Geschichte. Die fängt natürlich an „Es war einmal“ – weil es darum geht, die Ausgangssituation zu schildern. „Exposition“ heißt das beim Drehbuch-Schreiben. Das Rotkäppchen ist ein ganz besonderes Mädchen, wird uns am Anfang mitgeteilt, und wie die Mutter ihm einschärft sittsam zu sein und nicht vom Weg abzukommen. Doch das Rotkäppchen trifft gleich an der nächsten Ecke den bösen Wolf. Das ist der erste Wendepunkt. Jetzt kommt die Geschichte in Gang. Denn weil das Rotkäppchen nicht weiß, dass der Wolf böse ist, plaudert es mit ihm und lässt sich von ihm zum Blumen-Pflücken schicken. Der Wolf saust los und frisst die Großmutter – das ist der nächste Wendepunkt. Und dann folgt noch einer, wenn auch das Rotkäppchen gefressen wird, und zum Schluss kommt der Jäger und schneidet Rotkäppchen und Großmutter aus dem Wolf heraus.
Merkt ihr, was da passiert? hat die Chefin gefragt. Die Geschichte hat ein Auf und Ab von dramatischen Szenen und ruhigen Bildern – wenn das Rotkäppchen Blumen pflückt oder wenn der Wolf vollgefressen schläft. Da wird die Spannung aufgebaut. Und das alles mit vielen Details, damit der Zuhörer oder Leser formlich die Margueriten riecht, die Rotkäppchen pflückt, oder den Wolf schnarchen hört. Und natürlich wird die Sache bei jedem neuen Wendepunkt immer dramatischer.

Auf die Charaktere kommt es an

Jö, haben wir gerufen, das gefällt uns. Solche Geschichten wollen wir auch schreiben! – Die Chefin hat gelacht: Ich freu‘ mich schon drauf. Bitte viel Dramatik und schöne Bilder. Und vergesst nicht: Die Figuren müssen ein klares Profil haben. Das Rotkäppchen muss als Rotkäppchen zu erkennen sein und der böse Wolf als böser Wolf. Da müsst ihr euch den Kopf zerbrechen, mit welchen Eigenschaften oder Handlungen ihr das darstellt. – Ja, Geschichten gut erzählen ist nicht so einfach.
Das Märchen „Rotkäppchen und der böse Wolf“ zum Nachlesen: http://maerchen-welt.eu/deutschland/grimm/rotkaeppchen_und_der_wolf.htm

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