Paulas Blog erzählt von den Erlebnissen der Zeitungsente Paula Print. Wie sie als Lernende die Welt der Medien erlebt. Ohne Blatt vor dem Mund, wie es sich für ein humorvolles Agenturmaskottchen gehört.

» Archiv

Mein erstes Interview

Heute hat mich die Chefin zu meinem ersten Interview geschickt. Uih, habe ich da einen Bammel gehabt! Zuerst einmal die Ausweispflicht und das Ausstellen der Besucherkarte am Empfang. Aber der Name meiner Chefin war wie ein Sesam-öffne-dich.

Und dann bin ich durch diese Riesen-Produktionshalle zu der Achse gegangen, die als Treffpunkt angegeben war. Buchstaben- und Zahlenangaben zu den Koordinaten der Halle dienen dazu, dass man sich zurechtfindet zwischen all den Fertigungslinien. So nennen sich Gruppen von Maschinen, wo am Anfang ein Teil reinkommt und am Ende ganz anders, eben bearbeitet, rauskommt.

Einen Meister habe ich dort getroffen; in seinem Büro. Das ist in einem Container drinnen. Durch die Fenster kann der Meister auf die Maschinen rundherum schauen. Die sind mit Neonröhren beleuchtet. So wie der Arbeitsplatz vom Meister. Ohne Tageslicht. Irgendwie space-ig.

Vor dem Meister habe ich ordentlich Respekt gehabt. Der hat ja immerhin 150 Mitarbeiter unter sich. Und Angst habe ich auch gehabt ihm Fragen zu stellen. Doch die Chefin hat mir gute Tipps mitgegeben: Erstens, es gibt keine dummen Fragen. Aber du musst wissen, wo du mit deinen Fragen hinwillst, und solltest dir bewusst sein, dass dein Gegenüber nichts mit Journalismus am Hut hat, dafür aber sein Geschäft super versteht.

Als Nächstes hat sie gesagt: „Zuhören ist ein Kompliment. Wer aufmerksam auf Zwischentöne und Nebenbemerkungen hört und dazu nachfragt, bekommt die interessantesten Informationen.“
Und schließlich: „Strukturiert-Sein hilft.“ Ich soll also vorher einen Fragenkatalog vorbereiten, so weit wie möglich Informationen im Internet und anderswo auftreiben; vor allem zu Zahlen und Fakten. „So bleibt Zeit für die wirklich interessanten Geschichten, die dir dein Gegenüber erzählen kann“, hat die Chefin gemeint.
Und wirklich: Mein Meister, den ich ausfragen durfte zu seinem Spezialprojekt, der war ganz glücklich, dass er mir davon erzählen konnte. Er hat sogar meine Fragen gelobt und mir schließlich – als ich schon im Hinausgehen war – seinen ganz persönlichen Wunsch anvertraut: Mit diesem Projekt, von dem er mir erzählt hat, will er einen Preis gewinnen, damit er und vor allem sein Team in der Firma richtig anerkannt werden. Und wenn sie den Preis gewinnen, hat er gesagt, dann gehen sie alle miteinander zum Fußballmatch. Weil sie fast alle Rapidler sind. Mit grün-weißen Herzen sozusagen.

Kommentar verfassen